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© 1999 by Hans Nopper
Inhalt:
Das Herrenhaus Edenkoben — BARBARA STAHL: Erinnern und Vergessen. Ein ungarisch-deutsches Dichtertreffen — REINHARD JIRGL: Die Diktatur der Oberfläche. Über Trauma und Traum des 20. Jahrhunderts — LÁSZLÓ KRASZNAHORKAI: Etwas wissen. Romanauszug — LÁSZLÓ DARVASI: Herr Stern. Novelle — KATJA LANGE-MÜLLER: Die Letzten. Roman (Arbeitstitel) — LÁSZLÓ MÁRTON: Die sprechende Brille. Ein Essay.
Tafeln: AXEL HABERSTROH. Landschaft mit Reiter. 1997 — KATJA BUTT. + räumlich. 1998 — NORBERT KEMPF. Besuch in Reichenau 30.5.99 — ANN REDER. Ausstellung im Herrenhaus. 2000 — ISA DAHL. Vorhang. 1999 — FRANZ BAUMGARTNER. Weinberg. 2000 — ANDREA BENDER. o.T. 2001.
LÁSZLÓ MÁRTON: Gefangenschaft der Erinnerung. Ein Essay — LÁSZLÓ DARVASI: Kaiser Shang und das Buch. Erzählung — LÁSZLÓ KRASZNAHORKAI: Nicht auf dem heraklit‘schen Weg — KATJA LANGE-MÜLLER: Alles Erinnerung — REINHARD JIRGL: Dinge und Chimären. Einige Bemerkungen über das Erinnern.
Viten — Herrenhaus Edenkoben 2001. Namen, Daten und Fakten
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Das ungarisch-deutsche Dichtertreffen
Autoren
Lászlós Darvasi
Reinhard Jirgl
Lászlós Krasznahorkai
Katja Lange-Müller
Lászlós Márton
Moderatorin
Barbara Stahl
Barbara Stahl.
ERINNERN UND VERGESSEN.
EIN UNGARISCH-DEUTSCHES DICHTERTREFFEN
Im Juli, dem Sommermonat, in dem das Herrenhaus nicht von Stipendiaten bewohnt wird, findet meist, wie es international heißt, ein Workshop statt.
1999 war es ein ungarisch-deutsches Autorentreffen zum Thema, oder eher unter dem Stichwort, »Erinnerung«. Ein persönliches Interesse nicht verschweigend, wenn auch eher vage formulierend, lud ich Autoren ein, die ich persönlich wenig bzw. überhaupt nicht kannte, deren Werke ich, soweit sie, im Falle der Ungarn, übersetzt und mir zugänglich waren, gelesen hatte. Das Interesse für Kontakte zwischen ungarischen Autoren und dem Herrenhaus bestand seit längerem: Davon zeugen eine Lesung mit Imre Kertész, Ádám Bodor als Stipendiat, György Dalos als neuer Juror. Zu nutzen galt es nun die Gunst der Stunde: Ungarn wurde Buchmessenschwerpunkt. Sie brachte mit sich einen regen Verkehr mit ungarischen Autoren, breit gestreute Übersetzertätigkeit und eine besondere Finanzierungswilligkeit von begleitenden Veranstaltungen auf Seiten der Sponsoren.
In Edenkoben allerdings sollten es Gespräche in ungestörter Atmosphäre sein, ohne Publicity und dergleichen. Also lud ich bereits im Juli, bevor das eigentliche Messeprogramm begann, nach Edenkoben ein.
Zwei im Osten Deutschlands geborene und aufgewachsene Autoren, Reinhard Jirgl und Katja Lange-Müller, trafen auf drei Autoren aus Ungarn, die drei Lászlós: Krasznahorkai, Darvasi und Márton.
Die Gespräche selbst sollen hier nicht dokumentiert werden. Ich bin sicher, sie hätten einen anderen Verlauf genommen, hätten wir uns von vornherein dazu entschlossen, sie zu veröffentlichen. Der bewußte Verzicht auf Öffentlichkeit, hat, wie ich vermute, zu jener wachsenden Konzentration und Intensität geführt, zu jener zunehmenden Behutsamkeit, nicht zu verwechseln mit Kritiklosigkeit, im Umgang mit den Texten und zu einer wirklichen Vertiefung des Themas. Und doch wünschte ich, diese Begegnung möchte Spuren auf dem Papier hinterlassen, auffindbar auch für Leser, die nicht dabeigewesen waren. Daher bat ich die Autoren, mir nach dem Ansturm der Buchmesse, also vermutlich Monate später, aus der Erinnerung einen neuen kleinen Text zu schreiben, der aus der zeitlichen und räumlichen Distanz in irgendeiner Form Bezug nähme auf unsere Edenkobener Gespräche. Dies ist auch geschehen, wofür ich den Autoren herzlich danke.
Im vorliegenden Band zusammmengefaßt sind nun einerseits die Texte, die von den Autoren als Grundlage der Gespräche gewählt wurden, und andererseits die neuen, die im Rückblick auf die Gespräche entstanden sind.
Faszinierend zu beobachten war, wie die Textart, die die Autoren als Grundlage für die Gespräche jeweils gewählt hatten, die Art des Gesprächs beeinflußte, während das Thema »Erinnern und Vergessen« ja immer dasselbe blieb.
Reinhard Jirgl hatte seinen Essay »Die Diktatur der Oberfläche« sprachlich der Ebene des Diskurses zugeordnet. Das überraschte mich zunächst. Auch hatte ich in meiner Korrespondenz mit den Autoren der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Begegnung in Edenkoben, eine Begegnung zwischen Schriftstellern, jenseits der zahlreich und vielerorts stattgehabten historisch-politischen Streitgespräche und des gesellschaftswissenschaftlichen Diskurses über Erinnerung und Gedenken zu eher vorsichtig fragenden, persönlichen und auf die Arbeit des Schreibens ausgerichtete subjektive Erfahrung mit einbeziehenden Gesprächen führen werde.
Die in Jirgls Essay gegebene komplexe Analyse der verschiedenen Methoden gesellschaftlicher Verdrängung ursprünglich gemeinsamer historischer Traumata im Osten und Westen Deutschlands führt dann zu einer Analyse einer inzwischen in ihrer verwirrenden Informationsvielfalt schleichend Information vereinheitlichenden Medienstruktur, die zu einer »Diktatur der Oberfläche« führt. Ein wenig atemlos machte mich diese Lektüre, die mir Erinnerungen heraufbeschwor an meine Studienzeit in Kalifornien, mit ihren exzessiven, bis zum Gehirnkrampf ausartenden, Diskursen im Dunstkreis Marcuses, Horkheimers, Adornos und Habermas‘. Wofür Jirgl freilich nichts konnte. Er hatte im übrigen damals, während ich mich in Kalifornien im Diskurs zu verknoten drohte, an der Humboldt-Universität in Ostberlin, wo an derartige Diskursexzesse nicht zu denken war, Elektrotechnik studiert. Und gerade von daher gesehen war für mich persönlich Jirgls Essay als Beitrag zum bevorstehenden Gespräch wichtig und interessant. Konsequent kehrte Jirgl, nachdem die fünf Gespräche sich zwischen »Schichten« wie persönlicher Erinnerung, sogenannter historischer Fakten, Essay, Roman, Legende hin- und herbewegt hatten, und er selbst sich mitbewegt hatte, in seinem rückblickenden Text zu derselben Sprachebene zurück, von der er in die Gespräche eingetreten war, um von dort aus die verschiedenen Arbeitsweisen der Kollegen begrifflich zu erfassen und seinem eigenen Reflexionszusammenhang systematisch zuzuordnen.
László Krasznahorkai wünschte sich ein Gespräch über das Kapitel »Etwas wissen« aus seinem Roman »Satanstango«. In diesem Werk schuf er das düstere Pandämonium einer albtraumhaft in sich geschlossenen Welt, in der keine Erlösung, ja nicht einmal die Hoffnung auf Hoffnung zu erwarten sei. Das erfuhr ich freilich aus zweiter Hand, da dieser Roman in Deutschland seit längerer Zeit vergriffenen ist. Was würde, fragte ich mich, ein ungarischer Autor, der 1954 geboren wurde, über Erinnern und Vergessen sagen, einer, der sich (nach eigener Aussage laut einer Rezension in der FAZ vom Oktober 1992) ausschließlich mit Literatur beschäftigte und für den der (ungarische) Kommunismus nur eine Spielart menschlicher Idiotie war? Zumal, wenn er überdies (über die Zukunft Ungarns? über die Zukunft der Menschheit? oder über seinen Roman?) gesagt haben soll: »Es gibt kein Entkommen. Wenn wir glauben, wir kommen frei, rücken wir nur den Riegel zurecht. Es ist perfekt gemacht.« Ich begehe keine Indiskretion, wenn ich Krasznahorkai als einen mit dem Zustand der Ratlosigkeit vertrauten Zuhörer und Gesprächspartner beschreibe, der sich nur zögernd zu Wort meldet, zugleich mit jedem Wort, das er spricht, bekennt, nicht in Worte fassen zu können, was vielleicht zu sagen wäre, das Wesentliche nicht zu verstehen, nie zu verstehen, aus dem Sinn der Geschichte, ja aus dem Sinn der eigenen Geschichten, ausgeschlossen zu sein. Er selbst hat, auch öffentlich, mit ähnlichen Worten über sich gesprochen.
Der kleine Text, den Krasznahorkai mir als neuen Beitrag zu dieser Publikation (aus Japan) schickte, beginnt mit dem rätselhaften Satz: »Erinnern ist die Kunst des Vergessens.« Es folgen Sätze, die diesen Satz erläutern und weiter verrätseln: Es hält sich die Waage und gerade darin, in diesem Balanceakt, scheint mir die Erinnerung an unsere Gespräche in Edenkoben aufgehoben.
Aus dem Sinn der eigenen Geschichten ausgeschlossen zu sein, letzten Endes nicht mehr zu wissen als der Leser der Erzählungen am Ende seiner Lektüre: Von solcher Grunderfahrung des Autors László Darvasi zeugt gewiß auch die auf eine ganz eigentümliche Weise ergreifende Novelle »Herr Stern«, die Darvasi zu einem Gespräch über Erinnern und Vergessen ausgesucht hatte. Herr Stern, ein angesehener Privatgelehrter einer kleinen Stadt, hat unter großem Zulauf eine Reihe von Vorträgen gehalten, in denen er nach und nach seine Gedanken über die wichtigsten Grundfragen menschlichen Lebens vortrug. Im letzten Vortrag dieser Reihe, in welchem er über Gott sprechen will, bemerkt er, daß er den Namen Gottes, das Wort »Gott« nicht mehr aussprechen kann. Völlig verstört erlebt er in den folgenden Tagen, wie auch andere Wörter ihn verlassen. Zunächst versucht er, auch mit Hilfe seines Freundes, eines Advokaten, einen Schuldigen zu finden, also den Dieb, der ihm seine Wörter stiehlt. Schließlich ist er bereit, unter dem Gespött der Kinder, in der Schule Vergessenes neu zu lernen. Doch alle Bemühungen scheitern. Herr Stern wird ins Irrenhaus der Stadt gebracht und verschwindet von dort eines Tages spurlos.
Nach Krasznahorkais »Etwas wissen« ein nicht weniger, doch auf ganz andere Weise rätselhafter Text und, wie sich während des Gespräches geradezu physisch spürbar vermittelte, seltsam fragil, gleichzeitig auf die Zerbrechlichkeit poetischer Texte weisend, auf die Verwundbarkeit menschlicher Identität durch den sorglosen rüden Umgang mit Sprache; besonders aber auf die fragile Identität des Autors, der, als Autor, eben nichts hat als Worte.
In einem Interview, das Marie-Luise Bott 1995 mit Darvasi geführt hatte, las ich: »Das Geschichtenerzählen ist für mich gleichbedeutend mit dem Sündenfall: dem In-Sünde-Verfallen.« Während unseres Gespräch über Herrn Stern ist mir die Unbefangenheit abhanden gekommen, derartige Äußerungen des Autors mit (über)griffigen Erklärungen verdeutlichen zu wollen. Die Erzählung »Kaiser Shang und das Buch«, die Darvasi im Rückblick auf unsere Gespräche schrieb, scheint mir jedoch, vorsichtig gesagt, nahelegen zu wollen, wie auch der Lesende, selbst wenn er, wie in der Geschichte Darvasis, zum Lesen gezwungen wird, zum Teilhaber wird an jenem Sündenfall, den der Maler – auf Befehl des Kaisers wohlgemerkt – begeht, als er jenes rätselvolle Buch malt, von dessen Seiten einem jeden Betrachter die Welt erscheint, wie sie von ihm selbst gewünscht und gedacht wird. Ist Geschichtenerzählen, also ein Bild von der Wirklichkeit geben, gleichzusetzen mit In-Sünde-Verfallen, so erscheint es geradezu beklemmend logisch, wenn der Kaiser den Maler für sein Bild mit dem Tode bestrafen läßt.
Besonders mutig war Katja Lange-Müller, die den Anfang ihrer damals noch nicht weit über die ersten 35 Seiten hinausgediehenen Aufzeichnungen aus Posbichs Druckerei mit dem Titel »Die Letzten« ins Gespräch brachte, zusammen mit Fragen und Zweifeln, die ja jeden Schreibprozeß begleiten und bestimmen. Inzwischen ist dieses neue Buch längst veröffentlicht und außerordentlich erfolgreich. Es handelt von einer jungen Frau und drei Männern, der Belegschaft eines kleinen privaten Setz- und Druckereibetriebes im Ostberlin der 70iger Jahre, der kurz vor dem endgültigen Aus steht. Erzählt wird aus der Sicht der linkshändigen Setzerin mit dem Spitznamen »Püppi«, von den Kollegen wegen ihrer Ungeschicklichkeit, ihrer körperlichen Schwerfälligkeit und ihrem Hang zum Alkohol auch »einarmige blaue Elefantin« genannt.
Mit welchen Erwartungen und Befürchtungen die Autorin nach Edenkoben kam und welche Erinnerungen ihr an das Gespräch mit den Kollegen über ihr unfertiges Manuskript blieben, das erzählt sie selbst in jenem ihr unverwechselbar eigenen lakonisch-selbstironischen Tonfall in ihrem neuen Text mit dem Titel »Alles Erinnerung«.
László Mártons Essay »Die sprechende Brille« bestimmte das letzte der Gespräche, ein kurzer, in seiner komplizierten Verwobenheit nicht leicht zu erfassender Text, der mehrfache sorgfältige Lektüre erzwingt, in dem Probleme der Übersetzung und Probleme des Erinnerns und Vergessens kunstvoll aufeinander bezogen werden. Von diesem Ansatz her wie eigens geschaffen für unsere Gespräche. Was siehst du? Mit welchen Augen betrachtest du? In welcher Sprache gibst du dir Rechenschaft über das, was du wahrnimmst? Wie übersetzt du? Und wohin? Diese Fragen sind vorgelagert der Frage nach »Erinnerung« und gehen dann einher mit ihr. Márton hat diesen Aufsatz selbst – übrigens mit verblüffender Stilsicherheit – auf Deutsch verfaßt und so Erfahrung und Reflexion in faszinierender Unmittelbarkeit verknüpft. Nach meiner ersten Lektüre dieses sprachlichen Konzentrats wäre mir im Vorausblick auf das zu führende Gespräch ein wenig bang geworden, hätte sich im selben Briefumschlag nicht zugleich ein überaus freundlicher und durchaus schlichter Brief des Autors an mich befunden.
Während der gemeinsamen Woche im Herrenhaus hatten dann alle die Gelegenheit, die verblüffende Fähigkeit László Mártons zu bewundern, sich zwischen Deutsch und Ungarisch scheinbar völlig mühelos zu bewegen, so, als gäbe es jene komplexen Probleme überhaupt nicht, die er in seinem Aufsatz angesprochen hatte, diese Fähigkeit also, sich jederzeit ganz und gar auf die aufgeworfene Frage im Gespräch zu konzentrieren und oft gleichzeitig, völlig natürlich und nebenbei, für die anderen Gesprächsteilnehmer hin- und herzuübersetzen, diese (übrigens auch menschlich wunderbare) Fähigkeit, hat manche besonders wichtige Augenblicke in den Gesprächen erst ermöglicht.
Wie sehr sich Márton trotz seiner Vermittlerrolle auf die Gespräche selbst konzentriert hatte, wurde mir klar, als er mir seinen neuen Text schickte. Während ich las, tauchten plötzlich Momente auf, Situationen, einzelne Sätze, Dialogteile, Bilder, ich sah Márton vor mir, am Tisch sitzend, erzählend: In »Gefangenschaft der Erinnerung« hat er eigene Beiträge zu den Gesprächen noch einmal aufgenommen, zu einer neuen Konzentration und Dichte geführt und hier und dort, meine ich, schimmern auch Gedanken durch, die Andere zum Gespräch beitrugen, die nun im Márton‘schen Text aus Márton‘scher Erinnerung aufbewahrt bleiben.
Für die Literatur ist das Übrige vielleicht nicht so wichtig. In meiner Erinnerung aber hat es sich so zurechtgerückt: Gemeinsame Mahlzeiten unterm Kirschbaum. Warme Sommerabende, huschende Fledermäuse in der Dämmerung, Melonenbowle, ein Geschenk vom Maler Hans Nopper. Ein wenig Idylle. Ja, das wurde auch genossen. Morgens nach dem Frühstück der Rückzug ins Innere des Hauses. Bis zum Mittag volle Konzentration. Gespräche von großer Verschiedenheit, wie ja auch die Texte unvergleichlich waren, die die Gespräche umkreisten. An den Nachmittagen Ausschwärmen, zu Fuß oder mit Auto, oder Rückzug in den hinteren Teil des Gartens in den Schatten der Obstbäume. Den Tag ausklingen lassen, wie sich‘s gerade ergibt. Einmal Konzert, einmal Weinprobe in einem Weingut.
Dann, am Sonntag, zum Abschluß, Rollenspiel, professionell, wir präsentieren uns. Márton als Moderator weiß, wie man das macht. Zwischen den Lesungen Klaviermusik, ungarisch, Bélá Bartok und György Kurtag, gespielt von der Japanerin Maki Namekawa (sie kommt direkt aus Budapest, wo sie die Stücke mit Meister Kurtag selbst erarbeitet hat). Das war schwer, sagt sie. Aber jetzt ist alles leicht, so leicht, wie nur jenes Leichte sein kann, das einmal schwer war; selbst die tiefe Melancholie in Kurtags Musik und in den Texten Krasznahorkais (»Krieg und Krieg«: Der Erzähler, der vor einer Horde seelisch verwahrloster Kinder um sein Leben erzählt) und Darvasis (von brüllenden Engeln), im Furor Kleist‘scher Atemlosigkeit des Márton‘schen Vortrags (aus der »wahren Geschichte des Jakob Wunschwitz«), im ersten Versuch der Heldin aus Jirgls neuem Roman, die »Atlantische Mauer« zu durchstoßen«, und in Katja Lange-Müllers erstem Kapitel (»Die Letzten«). Sie schwebt in dieser scheinbar von selbst sich ergebenden Leichtigkeit über den Köpfen der Zuhörer durch geöffnete Fenster in die Zweige des Kirschbaums, die schwer sind von Früchten, und verliert sich dort.
Ob es wirklich so war? Wer weiß das? Und wer wollte sich mit der Frage weiter beschäftigen? Mir jedenfalls genügt, daß das Zurückdenken an jenes Autorentreffen solche Bilder in mir aufsteigen läßt.
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