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Verlag für die Kleine Kunst, Literatur, Essay und Literaturwissenschaft

REVONNAH VERLAG HANNOVER

Revonnah Verlag Hannover
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Verlagsgeschichte

Arne Drews

Arne Drews

Wie wir zu unserem Namen kamen
Hannover ist wohl die Stadt in Deutschland, die ihre Vorzüge am besten hütet; wie ein Geheimnis; und alle tun mit: Wir können nichts, wir machen nichts, wir haben nichts (außer Kekse, Gummi und vielleicht die Expo, gehabt).
Das machte 1920 auch schon dem Werbegraphiker und MERZ- und DADAkünstler Kurt Schwitters zu schaffen, der sich schließlich nicht anders zu helfen wußte, als folgenden Kunstgriff anzuwenden:
»Liest man Hannover von hinten, so ergibt sich die Zusammenstellung dreier Worte: ›re von nah‹ – Das Wort ›re‹ kann man verschieden übersetzen: ›rückwärts‹ oder ›zurück‹. Ich schlage die Übersetzung ›rückwärts‹ vor. Dann ergibt sich also als Übersetzung des Wortes Hannover von hinten: ›Rückwärts von nah‹. Und das stimmt insofern, als dann die Übersetzung des Wortes Hannover von vorn lauten würde: ›Vorwärts nach weit‹. Das heißt also: Hannover strebt vorwärts, und zwar ins Unermeßliche.«
86 Jahre sind seitdem vergangen; das Problem besteht nach wie vor. So sind wir bei »Revonnah« geblieben, um immer wieder darauf hinweisen zu können, daß es keinen Grund gibt, Hannover zu unterschätzen.

 

1989-1999.
Eine kleine Chronik.


1989
2. Juni
Matthias Wehrhahn und Arne Drews gründen aus Neugier, und weil anders kein brauchbarer Praktikumsplatz zu bekommen ist, den Revonnah Verlag Hannover.
Oktober
Die erste Veröffentlichung, der literarische Wandkalender »Der Ab- und Anlaß, Kalender für jede Art von Literatur 1990«, Hrsg. v. Arne Drews, wird ein Flop.
November
Bereits die Nr. 2 ist von Friedhelm Kändler: »Es klingelt. Ein [absurd-groteskes] Ehespiel für drei Personen«, 1983 vom NDR in Hamburg gesendet, erscheint anläßlich der Premiere des Stücks im Musik Club Chicago (Hannover). Hier finden in den folgenden Jahren bis heute zahlreiche Premieren und Präsentationen von Kändler statt. Schon früh ist damit ein Schwerpunkt des Revonnah Verlages gelegt, die Kleine Kunst. Übrigens ist es Kändlers erste selbständige Publikation.

1990
geht dahin mit Erkundungen und Planungen.

1991
Juni
Das Werk, das Friedhelm Kändler bekannt gemacht hat, erscheint: »WoWo«; Präsentation im Kanapee (Hannover), dem anderen für den Verlag wichtig gewordenen Veranstaltungsort (2. Aufl. 1993, 3. Aufl. 1995, 4. Aufl. 1996).
Oktober
Die materialreiche Monografie von Jochen Hengst und Heinrich Lewinski »Hans Henny Jahnn/UGRINO« erscheint als Katalog zur Ausstellung in der Landesbibliothek Hannover. Mittlerweile ein Standardwerk steht es am Anfang des zweiten Schwerpunktes des Verlages, der Literaturwissenschaft.
Dezember
Mit der Übernahme des »einzigen und einzigartigen Jahrbuchs für Essayismus« (Die Zeit) »Welfengarten« 2/1992 in den Verlag entsteht der dritte Schwerpunkt, Essays; und es beginnt die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit den Herausgebern, den Literaturwissenschaftlern Leo Kreutzer und Jürgen Peters.

1992
Februar
Mit Oskar Ansulls »Sieben Gedichte über Oma Möcker und mich« kommt ein weiterer, für den Verlag wichtig gewordener Autor zu Revonnah (2. Aufl. 1994, 3. erw. Auflage Dezember 2005).

1993
Oktober
52 Jahre nach der letzten niedersächsischen Literaturgeschichte präsentiert der Revonnah Verlag im Kino Cinemaxx (Hannover) den 1. Band »Von Dichterfürsten und anderen Poeten, Kleine Niedersächsische Literaturgeschichte« hrsg. v. Jürgen Peters und Wilhelm Heinrich Pott (32 Portraits von Roswitha von Gandersheim bis Goethe, Band 2: 37 Portraits von Stendhal bis Arno Schmidt (1994), Band 3: 45 Portraits von Arno Schmidt bis Hans Pleschinski, hrsg. v. Peters und Dirck Linck (1996)). Diese Präsentation und die beiden folgenden in der Cumberlandschen Galerie des Schauspielhauses – alle mit Achim Gertz (NDR) als Sprecher – sind mit jeweils etwa 200 Besuchern für literarische Veranstaltungen ungewöhnlich erfolgreich.

1994
Januar
Im fünften Jahr wird erstmals deutlich, daß aus dem studentischen Projekt ein respektabler Kleinverlag werden kann.
März
Die neue Schriftenreihe des Theatermuseums Hannover »Prinzenstraße, Hannoversche Hefte zur Theatergeschichte« wird eröffnet mit einer Monografie von Brigitta Weber und Carsten Niemann über den Bühnenbildner Kurt Söhnlein. Es folgen noch im selben Jahr Rudolf Langes »Kleiner Spaziergang durch Hannovers Theatergeschichte« und C. Niemanns »Bühnenkünstler auf frühen Photographien«.
November
Im Revonnah Verlag erscheint erstmals ein bis dahin unbekannter Autor: Peter Düker. Sein Debütroman »Bartman, Der Patient / Der Arzt / Die Schwester / Das Spiel« wird auf der Buchlust 94 – nur sehr knapp – auf den 2. Platz gewählt (1996: Musicalbearbeitung der Hebebühne Hannover).

1995
März
Tatsächlich erst die Nr. 20 des Revonnah Verlages ist die Nachdichtung von Oskar Ansull Charles Baudelaire »Spleen«, die die Basler Zeitung als »erste poetisch adäquate Baudelaire Übertragung« lobt.
Oktober
Leo Kreutzer und Jürgen Peters beginnen die literaturwissenschaftlich/literarische Reihe »Schriftstücke« mit einer Arbeit über »Goethes Wilhelm Meister Romane« von Walter Beller (1996: Herzog Anton Ulrich zu Braunschweig und Lüneburg »Rhodogune und Solane, Die zwei Geschichten der einen Sophie Dorothée, Prinzessin von Ahlden«, »Andere Blicke, Habilitationsvorträge afrikanischer Germanisten an der Universität Hannover« hrsg. v. Leo Kreutzer; 1997: Christian Friedrich von Blanckenburg »Über Romane«; 1998: Ursula Tieck »Nationalsozialistische und sozialistische Schule in Uwe Johnsons ›Jahrestagen‹«).
Oktober
Matthias Wehrhahn beginnt die Reihe »Bibliographische Bibliothek«, Präsentation im Literarischen Salon (Hannover).
November
Von Friedhelm Kändler und dem Komponisten Andreas N. Tarkmann erscheint das erste Notenheft »Liaison, Zwölf Chansons«, Präsentation im Theater im Künstlerhaus (Hannover). Zu diesem Zeitpunkt gibt es bereits etwa 70 vertonte Chansons von Friedhelm Kändler.
November
Zur Buchlust 95 im Sprengel Museum erscheint die erste Jahresgabe für Freunde und Förderer des Verlages: »Franz« von Friedhelm Kändler; das Publikum wählt dort die 3. Auflage von Kändlers »WoWo« auf Platz 1.

1996
April
Matthias Wehrhahn beginnt die Reihe »Vergessene Texte des 18. Jahrhunderts« mit der »Rede zum Beschlus der auf der bützowischen Akademie bisher angestellten Friedens=Feier« des seinerzeit populären Joh. J. Engel (1996: Chr. G. Contius, G. Fr. Wilh. Großmann, Joh. G. Schlosser, Fr. Wilh. Gotter; 1997: August Klingemann, Joh. G. Zimmermann; 1998: Christian Garve).
August
Der zweite WoWo Band von Friedhelm Kändler »WoZwo« wird auf einem großen WoWo Festival im Varieté Chamäleon (Berlin) präsentiert.
September
Friedhelm Kändlers erste CD »Mein schönstes WoWo«, der Live Mitschnitt eines WoWo Festivals im Chicago, erscheint.
Oktober
Mit der Nr. 40 kommt erstmals eine deutsche Erstausgabe in den Revonnah Verlag: das poetische Tourneetagebuch der niederländischen Rocklegende Herman Brood »liebes blutbad«, übersetzt von Chris van der Meijden, Vorwort von Nina Hagen, Präsentation in der Spalterhalle (Hannover).
November
Als zweite Jahresgabe für Freunde und Förderer des Verlages erscheinen (zur Buchlust 96) Peter Dükers gesammelte »Reden & So«.

1997
Januar
Die Bibliographie deutscher Übersetzungen und Bearbeitungen »Molière auf Deutsch« von Thomas A. Keck schließt eine lange von der Forschung angemahnte Lücke (= Bibliographische Bibliothek 3).
März
Der rückwärtsgelesenen (1922-1619) Lyrikgeschichte und -anthologie von Jürgen Peters »Wandel des Wortlosen, Achtunddreißig Gedichte aus dreihundert Jahren, Wort wörtlich gelesen« gelingt es, dem Lesepublikum auch die (heute) abgelegendsten Autoren näher zu bringen.
Juni
Matthias Wehrhahn verläßt Revonnah und gründet einen eigenen Verlag. Der Revonnah Verlag wird seitdem von Tanya Harkenthal und Arne Drews geführt.
November
Mit der umfang- und kenntnisreichen »Galerie der Detektive, 123 Portraits von Sherlock Holmes bis Nero Wolfe« gelingt den Herausgebern Heiko Postma und Rainer Wagner ein seltener Coup: »Ein Buch, von dem der Krimi Fan erst merkt, wie sehr er es brauchte, seitdem es dieses Buch gibt.« (NDR, SFB, ORB). Das erste Buch mit Illustrationen von Hela Woernle; Präsentation im Alten Magazin (Hannover), zugleich Eröffnung der Buchlust 97.
November
Die dritte Jahresgabe für Freunde und Förderer des Verlages gilt einer zu Unrecht vergessenen Schlüsselfigur des Frühexpressionismus: Ferdinand Hardekopf »Berlin 1907-1909«.
November
Nr. 55 des Verlages ist erstmals gewissermaßen ein best of: Oskar Ansull »Mit Händen und Füßen« illustriert von Renate Deuter.

1998
Februar
Bis dahin ›lediglich‹ als Service im Bereich der Kleinen Kunst gedacht, entwickelt sich die Tonträgerproduktion zu einem weiteren Schwerpunkt des Verlages. Es erscheint die Live CD »Nummer 9. Lieder & Texte von Friedhelm Kändler« von Alix Dudel (Präsentation im Chicago. Im März folgen Reinhard Röhrs Christian Morgenstern Vertonungen, im April die erste CD von Marianne Iser und Thomas Duda »Töte mich ganz«, im Juni »van Nelsen singt Kändler«, im November Bengt Kienes und Holger Kirleis’ Georg Kreisler Interpretationen «Gelächter aus dem Hinterhalt« und im Dezember die gelungene Entdeckung Kändlers für die Pop Musik »Tanz den Friedhelm« von Marcus Jeroch & den Klangdichtern).
März
Nr. 60: Die Welfengarten Extra-Ausgabe »Mein Gott Leo« erscheint zum 60. Geburtstag von Leo Kreutzer.
April
Mit »Kröhlmann, Ein Gedicht in 21 Kapiteln« gelingt Friedhelm Kändler wieder einmal »ein kleines, überaus amüsantes Meisterwerk« (Axel Schock, Berlin), meisterlich illustriert von Hela Woernle (Präsentation im Chicago).
Juni
In einer Koproduktion mit dem Wehrhahn Verlag erscheinen – in deutscher Erstausgabe – vier Portraits von Thomas De Quincey zu Schiller, Herder, Lessing und Goethe: »Der Übersetzer Peter Klandt hat einen Schatz gehoben und in seiner Werkstatt aufpoliert.« (Frankfurter Rundschau)
Juli
Die Cooperation mit dem Institut für Erfreuliche Drucksachen in Berlin trägt erste Früchte: Max Goldt »Ein gelbes Plastikthermometer in Form eines roten Plastikfisches, Typographisch angeordnet von Martin Z. Schröder«. Bleisatz. Limitiert.
Dezember
Die vierte Jahresgabe für Freunde und Förderer des Verlages gilt wiederum einem zu Unrecht Vergessenen, dem frühverstorbenen Freund von Peter Rühmkorf: Werner Riegel »Außenseiter«.

1999
Februar
Mit Adam Seide kommt Anfang des Jahres ein Autor zu Revonnah, dessen Bücher auf eine ungeheuer einfühlsame Art kunstvoll und packend sind. Anläßlich der Uraufführung der Theaterfassung im Staatstheater Braunschweig legt der Verlag seine »Braunschweigische Johanna, Ein deutsches Requiem« neu auf.
März
Die Nr. 79 des Verlages ist zugleich die 15. Veröffentlichung von oder mit Friedhelm Kändler: Sein dritter WoWo Band »WoWo jagt Dr. Ey« wird auf den beiden bisher größten WoWo Festivals – 20 bzw. 26 Künstler auf der Bühne – im Chicago und im Varieté GOP (Hannover) präsentiert.
2. Juni
Zehn Jahres Feier im Kanapee mit einer Pressekonferenz zu der geplanten Schriftenreihe »Anschrift N, Literarische Reisehefte aus Niedersachsen« mit den zukünftigen Herausgebern Ulrike Sárkány, Heiko Postma und Martin Rector, außerdem einer Vorschau auf das kommende abendfüllende Programm »Mut IV, Eine Verformance« von Peter Düker und Holger Kirleis.